Pfarrverband Grafrath

Geschichte

Kirche Babenried

Chronik der Filialkirche Babenried

Zusammenfassung neuester Erkentnisse aus der Archivforschung, Mauerwerksbefunde und archäologischen Ausgrabungen

In der Dokumentation des Landkreises FFB 1992Der Landkreis Fürstenfeldbruck – Natur, Geschichte, Kultur“ wird zu Babenried ausgeführt: Erstnennung des Ortes 1148/56 „Pabenrith“; Kirchenbau um 1500, Erneuerung um 1770. Klassiz. Hochaltar mit Gemälden um 1823; mindestens seit 1314 Filiale von Jesenwang.

Die 1996 durchgeführte archivalische Forschung sowie die Befunduntersuchung der Malschichten und Putze an den Wänden brachten einige Überraschungen zu Tage. Es konnte nachgewiesen werden, daß das Kirchenschiff romanischen Ursprungs ist, (13. Jahrhundert) mit einer spätmittelalterlichen (frühgotischen) Erweiterung nach Westen (14. Jahrhundert).

1496 Neubau des Chorraumes.

1630 Turmneubau, in seiner heutigen Form. (1603 vermutlich Einsturz des alten Glockenträgers)

1650 Einbau größerer Fenster im Kirchenschiff (Frühbarock), Reparaturen am Dach und Karner.

1768 Gesamtrenovierung mit Erhöhung des Kirchenschiffes und neuem Dachstuhl sowie Einbau der heute sichtbaren Fenster.

1850 Abbruch des schadhaften Westgiebels und Errichtung des Dachwalmes in der heute sichtbaren Form. Der ursprünglich wesentlich niedrigere, kastenartige flach gedeckte Raum war aus Ziegel-Sichtmauerwerk mit kalkweiß abgefassten Fugen. Das auffallenste Gestaltungselement aus dem 13. Jahrhundert ist das an der Südseite aufgedeckte romanische Fenster mit einem aufgemalten weißen Strahlenbündel.

Da es in Bayern nur noch sehr wenige vergleichbare Bauten aus der Romanik gibt, machte das alle Beteiligten darauf neugierig, wie wohl der romanische Chor ausgesehen hat und ob evtl. zu erwartenden Bodenfunde weitere Erkenntnisse bringen.

Im Herbst 2000 wurde durch Kreisheimatpfleger, H. Alexander Zeh, beim Historischen Verein für die Stadt und den Landkreis Fürstenfeldbruck e.V. angefragt, ob Grabungen durch den Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte durchgeführt werden können.

Es wurden dann in 470 Stunden ehrenamtlicher Arbeit durch den Historischen Verein unter Beteiligung des BLfD – Bauforschung, die Ausgrabungen mit sehr guten Ergebnissen durchgeführt.
Die Vor-Auswertung der Grabungsbefunde durch den Grabungsleiter, Herrn Steinerstauch ergab, ohne einer fachlichen/wissenschaftlichen Auswertung vorgreifen zu wollen, folgende Erkenntnisse:

Romanische Phase

Der Ablauf der Erweiterung wäre folgendermaßen vorstellbar:
  • Ziegelboden in dünnem Mörtelbett direkt auf dem Lehmboden im Altarraum und romanischem Kirchenschiff, vorwiegend je 2 Ziegel längs/quer verlegt.
  • Errichtung des westlichen Anbaues.
  • Abbruch der romanischen Westwand.
  • Ziegelboden auf Mörtelbelag über dem romanischen Westwandfundament und im Erweiterungsbau, vorwiegend längsverlegt.
  • Verlegung des Einganges vermutlich an die Stelle, wo er sich heute wieder befindet.

Hochgotische Phase

Abbruch der romanischen Apsis bis auf Fußbodenniveau und Anbau des Chorraumes in der noch heute sichtbaren Form vermutlich unter Verwendung der noch brauchbaren Ziegel, da in der Auffüllung im Fußboden nur Ziegelsplitt und -reste gefunden wurden.
Der Fußboden im gesamten neugeschaffenen Chorraum liegt ca. 30cm höher und war mit quadratischen Ziegelplatten (22x22 cm) in Bahnen, nicht sehr fachmännisch verlegt.
Im Kirchenschiff wurde der frühgotische Ziegelboden beibehalten und Seitenaltäre auf dem Fußboden aufgemauert.

Barocke Phase

1720 wurde ein bedrohlicher Bauzustand festgestellt.

1767/68 wurde ein „Notbau“ durchgeführt. Die Bezeichnung Notbau wurde bisher als Neubau für das Kirchenschiff ausgelegt. Es wurden jedoch nur die Mauern erhöht, ein neuer Dachstuhl mit Dacheindeckung aufgebracht und ein neuer Fußboden verlegt. Der vorhandene frühgotische Ziegelboden wurde größtenteils entfernt. Reste sind noch unter den Seitenaltären erhalten. Die bis dahin im Karner (Beinhaus) aufbewahrten Totenköpfe und Langknochen wurden, wie vorgefunden, mit Abbruchmaterial und Bauschutt als Auffüllung unter dem neuen Fußboden verwendet.

1770 wurden die völlig vermoderten Seitenaltäre durch 2 Altäre aus Inning ersetzt. Die vorhandenen Altarbilder wurden wieder verwendet.

1850 wurde der Westgiebel abgetragen und ein Dachwalm errichtet.

In den Jahren dazwischen und bis 1933 wurden immer wieder Renovierungsarbeiten und Reparaturen durchgeführt. 1946 wurde als letzte Reparatur die Turmeindeckung nach einem Sturmschaden erneuert.

1933 wurde in Landsberied eine neue Kirche erbaut und seitdem wurde die Babenrieder Kirche nur noch selten genutzt, aber nicht mehr baulich unterhalten.

1960 waren die Bauschäden so groß, das durch die Gemeinde der Abbruch beantragt wurde. Durch massiven Einspruch einiger Bürger und des BLfD konnte, „obwohl der Kirche keine besondere künstlerische oder geschichtliche Bedeutung beizumessen sei, sei sie als typische alte Dorfkirche mit gotischem Baukern für das Ortsbild noch heute von großer Bedeutung“, der Abbruch verhindert werden.

1961/62 wurde dann eine Gesamtrenovierung ohne besondere Berücksichtigung der historischen Entwicklung durchgeführt und die Austattung wurde erheblich dezimiert.

1980 hat die Kirchenverwaltung wieder Antrag auf Renovierung gestellt, da schon wieder erhebliche Feuchtigkeitsschäden am Mauerwerk sichtbar wurden.

1992 wurde dann die Planung für eine erneute Gesamtrenovierung aufgenommen.

2003 wurden die Renovierungsarbeiten fertiggestellt.

25.05.2003 Weihe von 2 neuen Glocken